Bliesen. Die Entscheidung ist gefallen: Die Volleyballer des TV Bliesen werden bei der Volleyball Bundesliga (VBL) zum 15. Mai den Antrag auf Lizenzierung für die 2. Bundesliga Süd einreichen. Damit würde zum ersten Mal seit über 20 Jahren eine saarländische Männermannschaft im deutschen Volleyball-Unterhaus an den Start gehen. Der Saisonstart ist dabei auf Mitte September terminiert. „Nach der herausragenden Saison möchten wir versuchen, uns nicht von einem Virus alles kaputt machen zu lassen. Daher ist es toll, dass wir in gerade diesen Zeiten gemeinsam mit unseren Partnern und Sponsoren den Weg in die 2. Bundesliga ebnen können“, so Bliesens Teammanager Matthias Pons. Doch wie in der gesamten Sportwelt bleiben einige Fragen offen.

Denn zunächst war es ein Wechselbad der Gefühle, das die TVB-Volleyballer förmlich überschwemmte: Auf die Meisterschaft im randvollen St. Wendeler Sportzentrum als größter Erfolg der Vereinsgeschichte folgte wenige Wochen später das abrupte Ende. Statt einer Sause zum Saisonfinale gab es Katerstimmung mit Ausgangs- und Kontaktsperren. „In dem Moment waren der Sport und ein Thema wie Aufstieg ganz weit weg“, beschreibt Pons die Gefühlslage. Und auch einige Wochen und Lockerungen später herrscht lediglich gedämpfte Euphorie über den Lizenzantrag angesichts der unsicheren Lage. „Derzeit findet ja noch nicht einmal ein Trainingsbetrieb statt. Aber wir bereiten uns vor und beeinflussen die Dinge, die wir beeinflussen können. Alles andere liegt nicht in unserer Hand“, beschreibt Bliesens sportlicher Leiter Gerd Rauch, der selbst unzählige Gespräche geführt hatte, seine Haltung.

Ständig neue Gegebenheiten, Anpassungen von Lizenzstatuten und Krise-Maßnahmen der Verbände wirbelten die ursprüngliche Planung durcheinander. „Wir müssten jeden Punkt nochmal auf den Prüfstand stellen“, schildert Rauch. Krisenbedingten Ausfällen von Sponsorengeldern standen teilweise höhere Zusagen anderer Sponsoren sowie Einsparungen von Seiten der Dachverbände gegenüber. Um ein Beispiel zu nennen: Der europäische Volleyballverband hat im Zuge der Corona-Pandemie die jährlich anfallenden Transfergebühren für ausländische Spieler halbiert. „Diese Maßnahme reduziert unsere ursprünglich geplanten Ausgaben um eine vierstellige Summe“, erklärt Teammanager Pons.

Dabei seien mögliche Auswirkungen der Krise – wie zum Beispiel mögliche Geisterspiele – unabhängig von der Ligazugehörigkeit zwar ein grundsätzliches Risiko, allerdings ohne entscheidende Bedeutung für die Ligazugehörigkeit. „Für unsere Planung macht es keinen großen Unterschied, ob in der 3. oder in 2. Liga keiner kommen dürfte“, so Rauch, der aber auf eine positive Entwicklung hofft. „Denn ohne Zuschauer ist der höherklassige Sport eigentlich tot“. Konkrete Einschränkungen dieser Art sind bisher noch nicht verordnet. Dass eine neue Saison wie gewohnt ablaufen kann, stellt Rauch dabei eher in Frage: „Es wird sich zeigen müssen, wann eine neue Saison wirklich starten wird und unter welchen Vorzeichen“.

Trotz des frustrierenden Stillstands gab es auch positive Überraschungen für den TVB. Sowohl die Aktion „Team 2. Bundesliga“, bei der Fans Optionen auf Saisonkarten erwerben können, als auch der Gewinn der „Hermann-Neuberger-Plakette“ für leistungsorientierte Jugendarbeit brachten eine ebenso beträchtliche wie nicht einkalkulierte Summe ein. „Das waren zwei tolle Signale, die neben dem finanziellen Aspekt auch Antrieb gaben“, freut sich Pons. Nach Berücksichtigung dieser und vieler weiterer Ereignisse und entsprechender Neubewertung haben die Verantwortlichen des Bliesener Volleyball-Fördervereins nun einen Plan erstellt, der den Aufstieg wirtschaftlich vertretbar macht. Nach Einreichung der erforderlichen Unterlagen erfolgt die Lizenzierung nach einem abgewandelten Zeitplan über die nächsten Wochen hinweg.

Die sportlichen Planungen sollen unterdessen so gut es geht vorangetrieben und in die Tat umgesetzt werden. Ein neuer Trainer wurde nach dem beruflich bedingten Rückzug von Philipp Sigmund inzwischen verpflichtet – und soll in Kürze vorgestellt werden. Und wie beim Spiel am Netz wollen die Bliesener auch jetzt Sportsgeist beweisen und sich laut Pons auch kämpferisch geben: „Wir wollen versuchen, der Krise zu trotzen. Unseren Zusammenhalt und die Leidenschaft zum Sport kann kein Virus zerstören“.

Foto: Josef Bonenberger